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Der Wissensbegriff in der Software-Branche Die konsequente Pflege des intellektuellen Vermögens wird für wissensintensive Unternehmen, zu denen der Bereich der Software-Entwicklung zu zählen ist, eine vordringliche Managementaufgabe einnehmen /vgl. PRO 97. Nach Verständnis des Autors liegt eine Möglichkeit der Handhabung des allgemeingültigen (offiziellem) und als nicht kritisch definierten Wissens in der Form Wissenspakete zu schaffen (Leibniz-Ansatz) und diese auf technologischer Basis zu versenden. Darüber hinaus ist eine lernende Organisationskultur im Software-Unternehmen zu fördern. Dies ist notwendig um eine Basis zur Schaffung und Explizierung von Alltagswissen – Tacit Knowledge (Konstruktivistischer Ansatz) zu gewährleisten. Wissen, welches in den Wissenspaketen abgelegt wird "ist konserviertes vergangenheitsbezogenes Wissen (was man schon weiß), daß konstruktivistische ist hingegen zukunftsgestaltend (shaping the future) basierend auf der Fähigkeit von Organisationen, über ihre Zukunft Vorstellungen, Visionen und Antizipationen zu entwickeln" /ECK 97/. Es ist darauf zu achten, daß kollektives Organisationswissen (organisationale Wissensbasis) im Software-Unternehmen entsteht, da sich hieraus in erster Linie Wettbewerbsvorteile entwickeln sowie Unternehmen koordinierte Handlungszusammenhänge darstellen und auch als solche geführt werden müssen. "As a result, words and concepts in the communication could take on different meanings and lead to counter-producive actions" /SAI 96/. Das intellektuelle Kapital einer Organisation (organisationale Wissensbasis) besteht aus den "Erfahrungen, Kenntnissen und Fähigkeiten, die in den Köpfen der Mitarbeiter, aber auch in der Kultur, den Strukturen, Systemen und Abläufen sowie Patenten, Lizenzen, Marken oder der Kundenbasis enthalten sind" /ZUC 94/. Nonaka und Takeuchi (1995) bezeichnen kollektives Organisationswissen als "... the capability of a company as a whole to create new knowledge, disseminate it throughout the organization and embody it in products, services and systems" /NON 95/. Somit gilt es im Software-Unternehmen den von Nonaka und Takeuchi beschriebenen Prozeß der Wissensspirale (vgl. Abschnitt 6.3 Hauptteil III.) in Gang zu setzen. "The production of the Knowledge organisations is solving problems that are hard to solve in a standardised manner. The staff (key people) tend to be very competent; highly educated and/or with long experience in a profession often involved with information processing" /SVE 97/. Auf den Software-Entwicklungsbereich lassen sich die von Sveiby (1997) beschriebenen Charakteristika eines Wissensunternehmens übertragen, da zum einen die Aufgabenstellungen in Software-Projekten in der Regel nicht standardisierte sind und zum anderen eine Problemlösung im Entwicklungsbereich bzw. in der Projektarbeit nur durch den Einsatz hochqualifizierter und Mitarbeiter gelingen kann. Den bedeutensten Teil der organisationalen Wissensbasis im Software-Unternehmen (auch anderen Unternehmen) stellt das Individuum als Wissensarbeiter dar. Der Software-Entwickler hat eine Transformation von Daten und Informationen in Wissen zu leisten, um die Aufgabenstellung erfolgreich zu bearbeiten. Dies geschieht im wesentlichen durch die Interpretationsleistung, d.h. durch die Einordnung der zahlreichen Daten in den Kontext des Software-Projekts um den Softwareentwicklungsprozeß erfolgreich durchführen zu können /vgl. PRO 97/. Das auf die einzelnen Mitarbeiter verteilte Wissen ist im Software-Unternehmen zu integrieren und nutzbar zu machen /vgl. GRA 96/ ZAH 97/. Die Wissensintegration des Einzelnen, dessen Tacit Knowledge gilt es durch Interaktion in Explicit Knowledge oder vorhandenes Explicit Knowledge zur Bildung von Tacit Knowledge der Mitarbeiter zu nutzen. "When tacit and explicit knowledge interact, something powerful happens" /NON 91/. Das Wissen eines Mitarbeiters ist das Ergebnis seiner geistigen Arbeit und seiner Erfahrungen und Einsichten. Dieses Wissen ist zum größten Teil implizit in den Köpfen der Mitarbeiter manifestiert und muß über Artikulation, verstanden als den Einsatz verbaler, nonverbaler, formaler und natürlicher Sprache /vgl. ECK 97/, dem Software-Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. "Sprachlichkeit bedeutet Kommunikation, der zentralste Wirkfaktor der Produktion - Distribution und Nutzung von Wissen" /ECK 97/. Für ein Software-Unternehmen muß das Ziel sein eine Kommunikationskultur zu schaffen, z.B. duch Gruppenmeetings, Meilenstein-Präsentationen, vermehrter Einsatz von Groupware zur schnellen Kommunikation, Einbezug der Außenmitarbeiter am Kommunikationsfluß, um daß implizite Wissen seiner Mitarbeiter explizit in der organisationalen Wissensbasis aufnehmen zu können. "Die möglichst optimale Nutzung des im Software-Unternehmen verfügbaren Wissens erfordert ein umfassendes Wissensverständnis, in dem Wissen ausgetauscht und vernetzt wird" /ZAH 97/ vgl. TSO 96/ vgl. KRO 95/. Der Autor sieht die Möglichkeit durch Verbindung des Leibniz-Ansatzes mit dem konstruktivistischen ein Wissensverständnis für ein Software-Unternehmen zu schaffen. Zum einen lassen sich explizites Wissen und Wissenstrukturen in Softwareprogrammen abbilden bzw. dokumentieren und zur Verfügung stellen, d.h. intensiver Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik, (Einsatz der Wissensdatenbank, Groupware, E-mail-Kommunikation, Telefon usw.) und zum anderen ist für den einzelnen Mitarbeiter im Software-Unternehmen eine Kultur des organisationalen Lernens als notwendige Basis zu schaffen, um Innovationsprozesse und Kreativität in der Software-Entwicklung entstehen zu lassen. Hier ist im besonderen auf die Wissen- und Lernbedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter, basierend auf deren Vorbildung (z.B. hat ein Wirtschaftswissenschaftler andere Interessensschwerpunkte verglichen zu einem Naturwissenschaftler), einzugehen. Nach Meinung des Autors ist das ‚Gleichmachen‘ der Mitarbeiter bezogen auf deren Wissensbestand nicht der richtige Weg, da sich durch die Individualität des Einzelnen interessante und neue Wissensaspekte erzielen lassen. Ebenso gilt es neben den vorhanden Stärken der einzelnen Mitarbeiter auf deren Schwächen einzugehen und diese durch gezielte Maßnahmen, z.B. Weiterbildung, Einsatz in speziellen Projekten zu reduzieren. Dabei ist darauf zu achten, daß sich bei dem Eingehen auf Schwächen kein Minderwertigkeitsdenken bei dem jeweiligen entwickelt. Die organisationale Wissensbasis, von Software-Unternehmen, setzt sich aus individuellen und kollektiven Wissensbeständen zusammen, auf die das Unternehmen zur Lösung ihrer Aufgaben zurückgreifen kann. "Sie umfaßt darüber hinaus die Daten und Informationsbestände, auf welchen individuelles und organisationales Wissen aufbaut" /PRO 97/. Die organisationale Wissensbasis unterliegt ständigen Veränderungen, welches als organisationales Lernen bezeichnet werden können /PRO 97/. Wesentlich für den Erfolg eines Software-Projektes ist, ob es gelingt verschiedene Wissensbestandteile und Wissensträger effizient zu kombinieren. Durch das kollektive Wissen wird das Problemlösungspotential einer Organisation ausgedrückt. Kollektives Wissen eines Unternehmens ist mehr als die Summe des Wissens seiner Mitarbeiter, es ist vielmehr die Fähigkeit im Kollektiv Probleme zu lösen und zu handhaben. Ziel für ein Software-Unternehmen muß es sein, konstant gemeinschaftliche Problemlösungen (z.B. Teamarbeit über einen längeren Zeitraum) zu erarbeiten, da dies die Effizienz bestehender Aktivitäten erhöht und durch Kombination von individuellen Fähigkeiten der Software-Entwickler und der organisationalen Prozesse im Unternehmen, neues organisationales Wissen entstehen lassen /vgl. PRO 97/. "Interne Implementierung und Integration des neu erworbenen Wissens verhindert, daß neu gefundene Lösungen auf isolierte’Wissensinseln’ beschränkt bleiben und fördert die unternehmensinterne Verbreitung von best practices" /PRO 97/. Dierickx und Cool (1989) sehen in kollektivem Wissen das Resultat eines oft langwierigen unternehmensinternen Akkumulationsprozesses, der einen besonderen Wert gegenüber Wettbewerbern, insbesondere in einem dynamischen Konkurrenzfeld wie dem Softwaremarkt, darstellt /DIE 89/. |